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Datum: 16.07.2014

16.250 Euro für die gute Sache

Der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung „Miteinander Leben“, Landrat Oliver Quilling, hat heute Schecks in Höhe von insgesamt 16.250 Euro an Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Vereine oder kirchlicher Organisationen überreicht.

So bekommt der Heimat- und Geschichtsverein Heusenstamm 1.200 Euro für das Buch-Projekt „Zeugnisse jüdischen Lebens und jüdischer Kultur“. In Zusammenarbeit mit der „Initiative Stolpersteine“ möchte der Verein mit dem Buch auf die Geschichte des jüdischen Friedhofs in Heusenstamm sowie auf die jüdische Sterbe- und Begräbniskultur aufmerksam machen.

Der jüdische Friedhof diente bis 1938 als Begräbnisstätte für die jüdischen Gemeinden Heusenstamm, Obertshausen-Hausen, Weiskirchen, Jügesheim, Niederroden, Hainhausen sowie Bieber. Während der NS-Zeit wurde er zerstört. Seitdem verwitterten die Steine langsam. Daher begann die Stadt Heusenstamm 2008 die meisten der rund 100, teilweise im Boden versunkenen, Steine anzuheben, zu sanieren, Bruchstücke zusammenzufügen und sie wieder aufzustellen. Dadurch wurden auch viele der noch vorhandenen Textpassagen wieder lesbar. Der bekannte Judaist Dr. Gil Hüttenmeister von der Universität Tübingen übersetzt seitdem ehrenamtlich die hebräischen Texte auf den Steinen. „Das geplante Buch-Projekt beschreibt nicht nur die Arbeiten zur Sanierung des Friedhofs, sondern dokumentiert die noch erhaltenen Zeugnisse jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Heusenstamm und erläutert ihre Bedeutung“, begründet Quilling das Engagement der Stiftung. Die Dokumentation wird der Verein kostenfrei an Interessierte weitergeben. Mit 2.000 Euro unterstützt die Stiftung durch eine Übernahme der Druckkosten die Veröffentlichung der Edith Erbrich-Biographie.

Edith Erbrich wurde als Kind einer deutschen Mutter und eines jüdischen Vaters 1937 im Frankfurter Ostend geboren, 1944 bei den Bombenangriffen auf Frankfurt verschüttet und im Februar 1945 mit Schwester und Vater in das KZ Theresienstadt deportiert, das am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit wurde – einen Tag bevor ihr geplanter Abtransport nach Auschwitz vorgesehen war.

Nach dem Krieg zog Edith Erbrich 1963 als eine der ersten Bewohnerinnen nach Langen–Oberlinden und lebt seitdem in einem der „Postblocks“ im Forstring. Über ihre traumatischen Erlebnisse als siebenjähriges Mädchen im KZ hat sie über 50 Jahre lang geschwiegen. Seit 1997 aber beginnt sie, über diese Zeit zu erzählen. Sie ist Mitglied im Studienkreis Deutscher Widerstand e.V., wirkt in Rundfunk- und TV-Dokumentationen mit, ist Mitkuratorin bei Ausstellungen und berichtet in Schulen und Jugendzentren im Kreis Offenbach, aber auch hessen- und bundesweit über ihre Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus. Als Zeitzeugin leitet Edith Erbrich zudem Exkursionen nach Theresienstadt. In Langen ist sie darüber hinaus Mitbegründerin der örtlichen „Stolperstein-Initiative“. Edith Erbrich wurde 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Das Buch mit dem Titel „Ich hab‘ das Lachen nicht verlernt“ erscheint im Neu-Isenburger Verlag „edition momos“. Es soll vor allem bei den Veranstaltungen, auf denen Frau Erbrich als Zeitzeugin auftritt, verteilt werden. Die Auflage liegt bei 1.000 Exemplaren. Die Druckkosten betragen rund 12.000 Euro. Quilling: „Bislang wurden 10.000 Euro für die Erstellung der Biografie gespendet. Die verbleibende Deckungslücke in Höhe von 2.000 Euro werden wir als ‚Stiftung Miteinander Leben‘ schließen!“

5.000 Euro gehen an den 1. Elektro-Rollstuhl-Hockey-Club Dreieich. Der 1. ERHC Dreieich spielt mit seinen Teams Black Knights I + II in der 1. Bundesliga. Zwei Spieler des Vereins haben die Chance als Nationalspieler des Deutschen E-Hockey Teams berufen zu werden und an der Weltmeisterschaft im August 2014 in München teilzunehmen. Beide Spieler waren bereits bei zwei Vorbereitungslehrgängen der Nationalmannschaft im Oktober und November 2013 dabei. Voraussetzung für die Teilnahme an der WM ist jedoch, dass jeder einen Turbo-Twist E-Hockey-Sportrollstuhl besitzt. Bei internationalen Wettkämpfen wird nämlich 15 Stundenkilometer schnell gefahren, während national 10 Stundenkilometer ausreichen. Und der Turbo-Twist ist der einzige Rollstuhl, der diese Geschwindigkeit erreichen kann. „Für beide Spieler würde ein großer Traum in Erfüllung gehen, bei dieser WM mitspielen zu können. Die Kosten für die beiden Sportrollstühle belaufen sich jedoch auf rund 23.500 Euro. Eine solche Summe können der Verein und die Spieler nicht alleine aufbringen und sind daher auf Spenden angewiesen. Hier wollen wir helfen“, betont Quilling. „Die Stiftungsmittel werden daher mit in die Anschaffung der zwei Sportrollstühle fließen.“

Weitere 4.000 Euro gehen an den Integrativen-Schwimm-Sport-Club Crazy Fish Obertshausen. Sein Ziel ist die Förderung und Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung bei Schwimmwettkämpfen. Im Jahr 2013 konnte der Verein mit einer solch gemischten Gruppe bei dem von der DLRG Mühlheim veranstalteten 24 Stundenschwimmen teilnehmen.

Das Konzept fand so großen Anklang, dass die „Wettkampfgruppe“ mittlerweile 18 bis 20 Kinder umfasst. In diesem Jahr ist die Teilnahme an vier bis fünf Wettkämpfen im Kreis Offenbach geplant. Mit privaten PKWs und Anhängern ist der Transport der Schwimm-Wettgruppe samt Rollstühlen oder Gehhilfen aber nicht mehr zu schaffen. Um den Kindern und Jugendlichen auch künftig die Teilnahme an Training, Freizeitangeboten und Wettkämpfen zu ermöglichen, benötigt der ISSC daher ein gut erhaltenes Transportfahrzeug. „Der Verein hat nun hat ein Angebot für den Kauf eines gebrauchten Mannschaftsfahrzeugs der Freiwilligen Feuerwehr Mühlheim erhalten. Das Fahrzeug ist scheckheftgepflegt und kostet inklusive aller nötigen Umbauten 5.200 Euro“, macht Quilling deutlich. „Den Kauf des Transporters unterstützt die Stiftung mit insgesamt 4.000 Euro.“

Weitere 3.000 Euro aus Stiftungsmitteln gehen an die DLRG Mainflingen. Das Geld fließt in die Anschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges, das unter anderem behinderte Jugendliche und ihr Equipment zum sogenannten Handicap-Tauchen bringen soll.

250 Euro erhält der Förderverein der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen. Der Förderverein möchte eine neue Schülergeneration als sogenannte „Streitschlichter“ gewinnen. In speziellen Seminaren unter dem Leitthema „Miteinander statt Gegeneinander“ sollen Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen zu Mediatoren ausgebildet werden, die in Konfliktsituationen gemeinsam mit ihren Schulkameraden nach Lösungen suchen. Ihre Aufgabe ist es dabei, im Streitgespräch Hilfestellung und Tipps zu geben, wie man wieder aufeinander zugehen kann; somit fungieren sie gleichzeitig als „Vermittler“ bei Streitigkeiten. „Diese Seminare wollen wir als Stiftung ‚Miteinander Leben‘ unterstützen“, so Quilling.

800 Euro bekommt die Evangelisch-Reformierte Gemeinde Neu-Isenburg. Das Geld soll für das neue „Erlebnispädagogische Kanu-Projekt“ verwendet werden. Quilling: „Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit elektronischen Medien. Hinzu kommt: Die Schule stellt immer höhere Anforderungen, selbst die Planung von Freizeit erfordert eine straffere Struktur und wird damit zum Stressfaktor für die Kinder und Jugendlichen. Natürliche Erfahrungen mit der Natur oder dem eignen Körper werden kaum noch gemacht. Erwachsene machen ähnliche Erfahrungen: Immer mehr Stress und Hektik im Alltag führen dazu, dass Eltern kaum noch gemeinsame Zeit mit ihren Kindern verbringen.“ Aus diesen Überlegungen heraus entstand bei der Gemeinde der Gedanke, mit einem „Abenteuerpädagogischen Konzept“ dagegen zu steuern. Wenigstens in der Freizeit soll eine „Entschleunigung des Lebens“ möglich sein. Das „Erlebnispädagogische Kanu-Projekt“ wendet sich zum einen an Jugendliche, denen die Möglichkeit gegeben werden soll, Natur zu erfahren und soziale Kompetenz zu erlernen sowie an Familien, die es sich mitunter kaum noch leisten können mit ihren Kindern gemeinsame Urlaube zu verbringen, ob aus finanziellen Gründen oder auch einfach nur aus Zeitmangel. Im Sommer 2014 soll das Projekt mit einer Jugend- sowie einer Vater-Kind-Freizeit starten. „Hier wollen wir mit der Stiftung ‚Miteinander Leben‘ eine kleine Unterstützung leisten“, erklärt Quilling.

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